Interview mit Gemeindepräsidentinskandidatin

Mit Maria E. Iannino Gerber stellt sich am 24. November eine erfahrene und kompetente Politikerin zur Wahl für das Gemeindepräsidium von Wohlen. Die 48-jährige Wirtschaftsingenieurin ist seit 2006 Mitglied des Grossen Rates. Mit den Gemeindegeschäften von Wohlen ist sie als langjähriges Mitglied der Geschäfts- und Ergebnisprüfungskommission vertraut. Im Interview legt sie dar, wieso sie für das Gemeindepräsidium kandidiert und was ihre Visionen für Wohlen sind.

Redaktion: Frau Iannino, Sie stellen sich als Gemeindepräsidentin von Wohlen zur Wahl. Was ist Ihre Motivation dazu?
Iannino: Die Gemeinde Wohlen hat sich in den letzten Jahrzehnten gut entwickelt. Aber es gibt Themengebiete, in denen ich als Gemeindepräsidentin andere Akzente setzen möchte. Etwa bei der Siedlungsentwicklung. Wohlen ist eine vielfältige Gemeinde: landschaftlich, aber auch durch seine unterschiedlich geprägten Ortschaften. Dazu sollten wir Sorge tragen und Einzonungen von wertvollem landwirtschaftlichem Kulturland nur unter strengen Bedingungen gutheissen. Als Gemeindepräsidentin würde ich mich für verdichtetes Bauen und die Förderung von genossenschaftlichem Wohnen einsetzen. Ein besonderes Augenmerk würde ich auf den Verkehr legen, zum Beispiel mit der Schaffung von Tempo-30- und Begegnungszonen. Für die Sicherheit von Kindern auf dem Schulweg ist das zentral.

In welchen weiteren Bereichen möchten Sie ansetzen?
Eine grosse Chance für Wohlen sehe ich in der Energiepolitik. Eine Mehrheit der Stimmbevölkerung von Wohlen hat im März dem Gegenvorschlag zur Initiative „Bern erneuerbar“ zugestimmt und sich für eine rasche Umsetzung der Energiewende ausgesprochen. Dem möchte ich Rechnung tragen mit einer konsequenten Förderung der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien. Andere Gemeinden machen uns vor, welch positive Dynamik damit entfacht werden kann – auch für die lokale Wirtschaft. Selbstverständlich würde ich auch alles daran setzen, dass das AKW Mühleberg möglichst bald abgeschaltet wird. Für die Sicherheit der Wohlener Bevölkerung ist ein Weiterbetrieb dieses uralten Reaktors mit gravierenden Sicherheitsmängeln inakzeptabel. Besonders wichtig ist mir weiter eine gute regionale Zusammenarbeit.

Wie meinen Sie das?
Aus meiner Erfahrung als Grossrätin ist mir bewusst, dass sich Bedürfnisse der Bevölkerung nicht an Gemeindegrenzen halten. Eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr oder ein vielfältiges kulturelles Angebot in der Stadt Bern ist für unseren Alltag in Wohlen zum Beispiel zentral. Auch die Siedlungs- und Raumplanung können wir nur überkommunal angehen: Was nützt es uns, wenn Wohnraum zwar nicht in Wohlen, dafür aber in Nachbarsgemeinden geschaffen wird und wir dann den ganzen Pendlerverkehr haben? Dank meiner kantonalen Vernetzung könnte ich in regionalen Themen eine wichtige Rolle übernehmen.

Sie haben Ihre Arbeit als Grossrätin angesprochen. Auf kantonaler Ebene steht das grösste Sparpaket in der Geschichte des Kantons Bern zur Diskussion. Was sagen Sie dazu?
Es macht mir Sorgen, wenn bei der Spitex oder den Ergänzungsleistungen abgebaut wird. Es droht sehr schnell die Situation, dass wir die auf Kantonsebene eingesparten Gelder auf Gemeindeebene wieder investieren müssen. Das ist weder im Interesse der öffentlichen Hand noch der Bewohnerinnen und Bewohner.

Das Gemeindepräsidium ist ein anspruchsvoller Führungsjob. Was qualifiziert sie dazu?
Als Mitinhaberin der Amarena AG, aber auch in leitenden Positionen bei den SBB und einer grossen Organisation in der Krebsforschung konnte ich Führungserfahrung sammeln. Im Grossen Rat und als Mitglied der Geschäfts- und Ergebnisprüfungskommission von Wohlen habe ich die politischen Prozesse an der Schnittstelle von Kanton zu Gemeinde kennengelernt. Als Gemeindepräsidentin möchte ich diese beiden Perspektiven vereinen: Dienstleistungen der Gemeinde sollen in einwandfreier Qualität und rasch erbracht werden. Gleichzeitig sollen eine demokratische Ausgestaltung der Entscheidungsabläufe und ein guter Service Public sichergestellt sein.

„Demokratische Ausgestaltung der Entscheidungsabläufe“ – was verstehen Sie darunter konkret?
Als Politikerin will ich nicht meine Person, sondern die Bevölkerung ins Zentrum stellen. Eine ehrliche und transparente Informationspolitik steht an oberster Stelle, denn mangelnde Transparenz verunsichert die Bevölkerung. Hier sind in Wohlen Fehler passiert. Jüngstes Beispiel ist das Polizeireglement, das unter zweifelhaften Umständen entstanden ist. Ich möchte die Bevölkerung besser einbinden und ihre Meinung in Erfahrung bringen. Dazu würde ich mich für ein Gemeindeparlament einsetzen. Das würde die politische Arbeit qualitativ verbessern und in der Bevölkerung breiter abstützen. Zudem würde ich mich als Gemeindepräsidentin nicht scheuen, das Vollamt des Gemeindepräsidiums in Frage zu stellen. Ich bin auch heute noch der Ansicht, dass die Gemeinde mit einem 80-Prozent-Pensum geführt werden kann.

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